Orthodoxe Theologie
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Porträt der Ausbildungseinrichtung (Institut) für Orthodoxe Theologie der Universität München

1. Die Welt der Orthodoxie

Mit dem Begriff »Orthodoxie« sind oft vielfältige Assoziationen verknüpft: von einer »Rechtgläubigkeit« kann die Rede sowohl in religiöser als auch in politischer Hinsicht sein, wobei nicht selten eine Verwirrung bei der Zuordnung der Orthodoxen Kirchen in einer pluralen Welt besteht.

3 Bischöfe - Patrone der Theologie

Hl. drei Hierarchen (Schutzpatrone der christlichen Erziehung)

Die kanonischen Orthodoxen Ortskirchen sind diejenigen christlichen Kirchen, die v.a. im östlichen Mittelmeerraum und im Südost- und Osteuropa ihre Wurzeln haben, heute jedoch durch ihre Diaspora-Gemeinden auf der ganzen Welt anzutreffen sind. Ihrem Selbstverständnis nach setzen sie in ungebrochener Tradition das Leben der Alten, ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends fort, ohne jedoch auf einer starren Überlieferung zu beharren. Sie legen besonderen Wert auf ihren uralten Reichtum an Glaube, Liturgie und Kirchenrecht, welchen sie in einer offenen eucharistischen Gemeinschaft miteinander verbindlich teilen. Insbesondere zeichnet sich diese Familie durch eine aus dem Herzen kommende Spiritualität aus, die ihren Ausdruck in einer reichen liturgischen Überlieferung und ihrer mystischen Theologie findet. Es ist daher verständlich, wenn sie ihre Orthodoxie eher mit einem hymnischen Lobpreis (Doxa) des Namens des Dreieinen Gottes verbunden wissen will, als mit einem unkritischen und erstarrten Dogmatismus.

KircheGewiss, wie in jeder Familie so in der Orthodoxen, die aus 14 bzw. 16 »Autokephalen« und »autonomen« Kirchen (jede Kirche verfügt über ihr eigenes Oberhaupt) zusammengesetzt ist, kommt es ab und zu im Laufe der Geschichte zu Problemen, die der gemeinsamen Lösung bedürfen. Solche Situationen, die v.a. historisch und kulturell bedingt sind, bemühen sie sich in einer geschwisterlichen Gemeinschaft synodal zu regeln.

Zugleich aber fühlen sie sich dem Geist einer ökumenischen Annäherung und Verständigung mit den anderen christlichen Kirchen verpflichtet. Sie pflegen den ökumenischen Dialog auf allen Ebenen und sie stehen auch den vielfältigen interreligiösen Herausforderungen aufgeschlossen gegenüber. Ihr Ziel ist es, sowohl durch ihr Zeugnis zum Segen Gottes für die Menschen zu werden, als auch durch ihre ökumenische Zusammenarbeit zur Einheit aller beizutragen.

Eine feste Basis für das Leben des orthodoxen Christentums liefert in München die reiche Präsenz von orthodoxen Gemeinden, welche die Tradition mehrerer orthodoxer Länder und Völker repräsentieren. Dies ermöglicht einerseits den Studierenden den Zugang zu ihrer theologischen Arbeit. Zugleich aber werden dadurch die Möglichkeiten einer kreativen Begegnung mit den orthodoxen Gemeinden im öffentlichen Leben der Stadt erweitert.

2. Das Leben der Orthodoxen in Deutschland und ihre theologische Ausbildung

Die Orthodoxe Theologie in München soll diese teilweise unbekannte Welt der Orthodoxie orthodoxen und nicht-orthodoxen Christen bekannt machen. In Deutschland Orthodoxe Theologie an einer staatlichen Universität studieren zu können, und das in unmittelbarer Nachbarschaft und Kooperation mit der Katholischen und der Evangelischen Fakultät: das ist etwas Einmaliges in Westeuropa!

Aufgabe der Theologie ist es, nicht nur die Welt des konfessionellen Glaubens zu präsentieren, sondern die Kirche auch interpretierend im Dialog zu begleiten sowohl mit den anderen christlichen Theologien als auch mit anderen Wissenschaften. Damit wird nicht nur einer kritischen Aufgabe der Theologie Rechnung getragen, sondern auch eine neue Erschließung der Glaubenserfahrung ermöglicht. Die Orthodoxe Theologie kann in einem komplementären Austausch aus der Methodologie und dem Reichtum der anderen christlichen Theologien ständig neue Impulse gewinnen.

Standards für die wissenschaftliche Arbeit setzen

Der Ort dieses Austausches kann auf höchster Ebene nicht irgendeiner sein: Die staatliche Ludwig-Maximilians-Universität sorgt nicht nur für die finanzielle Absicherung dieser Einrichtung, sondern garantiert darüber hinaus Standards in Forschung und Lehre, die einen seriösen wissenschaftlichen Disput ermöglichen. Der Interdisziplinarität fühlt sich auch unsere Einrichtung verpflichtet; gerade in der Freiheit des Geistes, die an einer staatlichen Universität herrscht. Die Theologie benötigt diesen Dialog mit den anderen Wissenschaften. Nicht nur schöpft sie aus der Erfahrung und dem Wissen dieser Welt; sie gibt der Welt auch ihre eigenen Impulse.

GruppenbildWenn es wahr ist, dass kein Zusammenleben europaweit ohne Begegnung gelingen kann, dann bietet die Möglichkeit des Studiums der Orthodoxen Theologie in Deutschland die Chance des Zusammenwachsens der neuen Generation: Nicht der Geist der Isolation durch kulturelle Klischees, sondern der Geist der Einheit und der Gemeinschaft der Traditionen und der Regionen wird für die ca. 1,5 Millionen Orthodoxen in Deutschland gefördert.

3. Geschichte — Aufgaben

Die Orthodoxe Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München kann inzwischen auf eine über 20-jährige Geschichte zurückblicken. Die »Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie« versteht sich als die Fortführung des seit 1984 existierenden Lehrstuhls bzw. als die Erweiterung des Instituts für Orthdoxoxe Theologie. Sie entstand durch die Entscheidung des akademischen Senats der Universität München im Juli 1994, und seit dem Wintersemester 1995/96 besteht an der Universität München die Möglichkeit des vollständigen orthodoxen Studiums; eine Möglichkeit, die bislang im gesamten westeuropäischen Raum an einer staatlichen Universität völlig fehlte. An der Universität München ist dadurch die Theologie aller drei großen Kirchen vertreten.

SpringbrunnenAufgabe des neuen Studiengangs ist die Ausbildung von Geistlichen, Religionslehrern und Katecheten in Orthodoxer Theologie; außerdem werden eine breitere Vertretung der Orthodoxen Theologie in Forschung und Lehre, die Heranbildung wissenschaftlichen Nachwuchses sowie ein wissenschaftlicher Austausch mit den bereits bestehenden Theologischen Fakultäten und einschlägigen Fächern innerhalb der Universität und darüber hinaus angestrebt.

Die theologische Ausbildung der orthodoxen Studierenden (als Nachwuchs der Orthodoxen Kirche, der drittgrößten in Deutschland) vor Ort macht sie nicht nur mit der abendländischen Theologie- und Geistesgeschichte, sondern auch mit der Geschichte, Kultur und Eigenart dieses Landes vertraut. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die religiöse und kulturelle Eingliederung der orthodoxen Mitbürger in die deutsche Gesellschaft sowie auf die ökumenische Verständigung und Zusammenarbeit in diesem Land und in Europa.

Im Institut für Orthodoxe Theologie werden folgende Studienmöglichkeiten angeboten:

  1. Studiengang zur Erlangung des Diploms der orthodoxen Theologie (Dipl. theol. Univ.). Nach der seit dem 3. Juni 1997 geltenden Studienordnung beträgt die reguläre Studienzeit neun Semester.
  2. Promotion in orthodoxer Theologie (Dr. theol.). Die Promotionsordnung trat am 4. März 1999 in Kraft.
  3. Orthodoxe Theologie als Nebenfach.

4. Fachbereiche

Das wissenschaftliche Studium der Orthodoxen Theologie soll auf die vielfältigen, oben angesprochenen beruflichen Aufgaben vornehmlich eines Priesters oder Religionslehrers bzw. einer Religionslehrerin vorbereiten. Dazu müssen die Studierenden methodische und fachliche Kenntnisse über die einzelnen Fachgebiete der Theologie erwerben. Die einzelnen Gebiete mit jeweils eigener Methodik sind:

  • Biblische Theologie (Einleitung, Exegese und Theologie des Alten und des Neuen Testaments)
  • Historische Theologie (Patrologie, Kirchen- u. Theologiegeschichte, Konfessionskunde u. Ökumenik)
  • Systematische Theologie (Fundamentaltheologie, Dogmatik und Ethik)
  • Praktische Theologie (Pastoraltheologie, Liturgik, Homiletik, Kirchenrecht und Religionspädagogik)

Das Lehrangebot der orthodoxen Fachvertreter wird durch die Lehrveranstaltungen und die Forschungseinrichtungen der Katholisch-Theologischen und der Evangelisch-Theologischen Fakultät sowie weiterer Fakultäten der Ludwig-Maximilians-Universität München ergänzt. Die Studierenden sollen im Rahmen der in der Studienordnung vorgesehenen Fächer von diesem Lehrangebot Gebrauch machen. Für eine sinnvolle Gestaltung des Studiums werden die Studierenden des Faches bei der Auswahl der hierbei zu besuchenden Lehrveranstaltungen und abzulegenden Prüfungen durch die entsprechenden Fachvertreter und Studienberater der Orthodoxen Theologie intensiv betreut.

5. Orthodoxe Theologie als Nebenfach

Eine interessante Kombination für Studenten verschiedenster Fächer bietet die Möglichkeit, Orthodoxe Theologie als Nebenfach zu studieren. Dadurch werden neue Kenntnisse erworben, die die Chancen einer beruflichen Qualifikation erweitern (so z.B. in Kombination mit dem Ost- und Südosteuropäischen Studium, einem Schwerpunkt des Lehr- und Forschungsangebotes der Universität in München).

Es sind insgesamt drei (3) Scheine erforderlich: ein Seminar-Schein, ein Hauptseminar-Schein und ein Schein über die Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten der Orthodoxen Theologie. Der Studierende sollte in einem viersemestrigen Studium Lehrveranstaltungen aller vier Fachbereiche besuchen. Die meisten Stunden davon sollten beim zukünftigen orthodoxen Prüfer belegt werden.

6. Ergänzende Informationen

Für die Zulassung zum Hochschulstudium und die Einschreibung für Orthodoxe Theologie gelten die in den deutschen Universitäten üblichen Vorschriften und Bedingungen (Reifezeugnis etc.).

Die Einschreibung von Bewerbern mit deutschem Abitur findet für das Wintersemester Mitte September und für das Sommersemester Mitte März statt. Bewerber aus Nicht-EU-Ländern müssen die Zulassung zum Studium für das Wintersemester bis 15. Juli und für das Sommersemester bis 15. Januar beantragen. Bewerber aus anderen EU-Ländern sollten sich auch zu denselben Terminen (15.7./SS und 15.1./WS) mit dem Auslandsamt in Verbindung setzen.

Die Immatrikulation, für die man persönlich erscheinen muss, erfolgt entweder in der Studentenkanzlei (für deutsche Bewerber) oder im Auslandsamt der Universität (für ausländische Bewerber).

Auskunft und Immatrikulation:

  • Studentenkanzlei (Hauptgebäude der LMU München) Geschwister-Scholl-Platz 1, D-80539 München, Tel.: (089) 2180 2822 (Hr. Sattler, Hochschulzugang) und Tel.: (089) 2180 2216 (Fr. Kegel, Vertretung)
  • Auslandsamt (Backsteingebäude) Ludwigstr. 27, D-80539 München, Tel.: (089) 2180 3156 (Fr. Wolf, Beratung und Zulassung)
  • Studienberater unseres Instituts ist Dr. Anargyros Anapliotis

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